Die zeitgemäße Schulentwicklung des ASG unter dem Einbezug der Digitalität

Wir am ASG setzten uns mit viel Leidenschaft und Engagement für die zeitgemäße Schulentwicklung ein.

Im Bereich Lernen und Organisation von schulischen Alltagsaufgaben nutzen wir die Digitalität an sinnvollen Stellen unserer gemeinschaftlichen Weiterentwicklung – und das auch schon vor Corona. 😉

Das ASG ist die erste Pilotschule des sozialen Projektes Edu-sense (www.edu-sense.de), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lösungen für die schulischen Herausforderungen der zeitgemäßen Entwicklung zusammenzutragen und für Schulen so aufzubereiten, dass diese Anregungen in skalierbarer Form möglichst einfach genutzt werden können.

Die Gründerin der Initiative, Anika Buche, ist Lehrerin an unserer Schule, sodass viele der entwickelten Inhalte und Ideen ins ASG einfließen. Die gesammelten Erfahrungen am Albert-Schweitzer-Gymnasium fließen wiederrum in Edu-sense ein und bereichern das Portfolio in Form von Erfahrungsberichten.

Damit diese große Aufgabe gelingen kann, bedarf es vieler Menschen vor Ort, die mit ihrem Engagement und ihrer Expertise Veränderungen vorantreiben, einer schulgemeinschaftlichen Vision und konkreten Zielen der Entwicklung, einer professionellen materiellen Ausstattung in Form der Infrastruktur vor Ort sowie entsprechender Hard- und Software und einem internen Fortbildungskonzept.

Vieles von dem Beschriebenen konnten wir am ASG in Hürth in den letzten zweieinhalb Jahren umsetzen. Durch die Corona-Situation bedingt, wurde der geplante Schulentwicklungsprozess zudem stark beschleunigt.

Im Folgenden wird unser Prozess der zeitgemäßen Schulentwicklung unter dem Einbezug der Digitalität kurz beschrieben:

  1. Motivierte Akteure

Um die umfangreichen Änderungen umsetzen zu können, bedarf es Personen, die mit einem hohen Maß an Motivation, Engagement, Durchsetzungswillen und Frustrationstoleranz an der Spitze der Entwicklung stehen. Dies kann intrinsisch sein und muss durch Leitung stützend begleitet werden (Entlastung, unterstützende Haltung – immateriell wie materiell, Verantwortung übertragen, steter Austausch und stete Abstimmung, offene Kommunikation).

  1. Angemessene Veränderungsgeschwindigkeit mit verbindlichen Meilensteinen

Veränderungen müssen für alle Beteiligten sichtbar sein, aber sie dürfen das System nicht überfordern. Daher ist der Blick auf die Angemessenheit der Veränderungsgeschwindigkeit bei komplexen Veränderungen von zentraler Bedeutung. Dies wird am ASG durch die Federführung der Steuergruppe zusammen mit den Verantwortlichen und Interessierten des Digitalisierungs-Teams gewährleistet. Auf der einen Seite müssen Veränderungen eingefordert werden, aber diese dürfen auf der anderen Seite nicht zu einer grundsätzlichen Abwehrhaltung führen. Darüber hinaus ist es wichtig, im Prozess die kritischen Stimmen konstruktiv mit einzubinden (bspw. Grenzen der digitalen Unterstützung beim Lernen bzw. bei der Zusammenarbeit).

Im System Schule ist es zudem sehr wichtig, alle am Schulleben Beteiligte (Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern) umfassend am Entwicklungsprozess zu beteiligen: Je höher die Partizipation, desto vollständiger das Konzept und höher die Akzeptanz.

  1. Breit angelegte, offene und ehrliche Kommunikation

Die Veränderungen müssen gut kommuniziert werden. Dazu müssen die einzelnen Schritte transparent begründet und diskutiert werden. Zentrale Veränderungen müssen per Votum von den entsprechenden Gremien beschlossen werden. Immer wieder muss der Prozess in seiner geplanten Gesamtheit der Schulgemeinde transparent gemacht werden. Auch der Einbezug befürwortender, kritischer oder unsicherer Stimmen sollte regelmäßig erfolgen.

  1. Interne und dadurch nachhaltige Lehrerfortbildung

Die Fortbildung muss nachhaltig angelegt werden. Dies gelingt am besten, wenn die Experten nicht nur bei der Wissensvermittlung zur Verfügung stehen, sondern vor allem auch dann, wenn in Phasen des Transfers und der Anwendung Fragen und Probleme auftreten. Werden diese Fragen nicht zeitnah beantwortet bzw. werden die aufgetretenen Probleme nicht unmittelbar gelöst, wird der Veränderungsprozess massiv ausgebremst und kommt vielfach zum Stillstand. Am ASG wurde dies durch das etablierte „Train the Trainer/Teacher“-Konzept realisiert, indem von den beiden Administratoren ein Trainerteam vor Ort ausgebildet wurde, welches wiederrum interessierte andere Kollegen fortgebildet hat. Damit sind die Experten täglich für alle anderen vor Ort. Mittlerweile ist das anfänglich 20 Kopf starke Trainerteam zum Digitalisierungsteam ASG herangewachsen, welches Lehrkräfte und auch Schülerinnen und Schüler einbezieht und für vielseitige Bereiche der Schulentwicklung unter dem Einfluss der Digitalität verantwortlich ist.

  1. Gute Zusammenarbeit mit dem Schulträger, der Schulverwaltung, der Schulaufsicht sowie weiteren Unterstützern

Ausstattungsbedarfe und Rechtssicherheitsfragen müssen in vertrauensvoller Zusammenarbeit geklärt und umgesetzt werden.

  1. Klares Leitungshandeln

Zentral ist zudem die Haltung der Leitung des Systems. Sowohl die Vorbildfunktion – hier beim Arbeiten mit digitalen Hilfsmitteln – als auch die Klarheit im Leitungshandeln bzgl. der Gelingensbedingungen 1 bis 5 sind von zentraler Bedeutung. Wichtig ist dabei auch, dass klare Zuständigkeiten formuliert sind.

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen in NRW umfasst dezidiert auch die Befähigung von Schülerinnen und Schülern, „mit Medien verantwortungsbewusst und sicher umzugehen“. Das heißt für uns, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler zum einen befähigen, die digitalen Medien mit all ihren umfassenden Vorteilen anwenden und nutzen zu können. Zum anderen ist uns im Sinne einer Medienerziehung der kritische Umgang mit den digitalen Medien äußerst wichtig. In unserem Medienkonzept sind beide Aspekte genau aufgeschlüsselt und durch weitere, wie etwa die Darstellung unserer Ausstattung bezogen auf die digitalen Medien, ergänzt.

 

Anfang 2018 bekam das ASG dann das Office Paket. Dies kann von den Kollegen genutzt werden. Nachdem jedes Schulmitglied eine schulische E-Mail-Adresse erhalten hatte, wurde schnell klar, dass die effektive Nutzung der vielfältigen Funktionen der Programme einer Administration und flächendeckenden Schulung bedurfte.

Anika Buche und Christoph Rauwolf übernehmen die Administration der Digitalisierung am ASG. Der Fokus der Einarbeitung lag zunächst auf der Auswahl der Funktionen des Office 365 Paketes für den gemeinschaftlichen Schulbetrieb. Außerdem wurde von vornherein Wert darauf gelegt, den Kolleginnen und Kollegen und Schülerinnen und Schüler möglichst niedrigschwellige Zugänge zu den Funktionen zu ermöglichen. Insgesamt geht es um den Aufbau eines Konzeptes für neue Lern- und Organisationsformen mit digitaler Unterstützung.

Um die Zusammenarbeit und das Lernen bestmöglich digital zu unterstützen, war es wichtig, dass sowohl die Lehrkräfte als auch die Schülerschaft von einer Plattform mit einer Anmeldung von jedem Gerät und jedem Ort aus zusammenwirken konnten.

Auf der Plattform MNSpro Cloud können sowohl das Kollegium als auch alle Schülerinnen und Schüler leicht auf ihre E-Mails zugreifen, Kalender einsehen und Termine anlegen, auf eigene Dokumente zugreifen, Office-Apps herunterladen etc.

Die Schülerinnen und Schüler finden hier auch unter Kursen für jedes ihrer Fächer ein Kursnotizbuch, einen Chat und einen Kalender. Die Lehrerinnen und Lehrer sehen hier eine Übersicht aller Kurse des aktuellen Schuljahrs. Auch Arbeitsgruppen, zu denen man hinzugefügt wurde, sind hier zu finden.

Insgesamt bietet MNSproCloud somit eine komfortable Möglichkeit, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen und auf alle benötigten Materialien zuzugreifen.

Das Administratorenteam entwickelt und führt Fortbildungsbausteine durch, in denen die Zusammenarbeit und das Lernen mit digitaler Unterstützung gelehrt wird.

So können den Kolleginnen und Kollegen berufsbegleitend thematische Mikrofortbildungen angeboten werden.

Auch sind jederzeit Ansprechpartner bei Herausforderungen oder Fragestellungen vor Ort.

 

Unsere Leitsätze:

  • berufsbegleitend, aktiv, kontinuierlich
  • nichts aufoktroyieren, sondern offerieren
  • Ökonomie, Effizienz und Arbeitsfreude generieren
  • sofortige Anwendbarkeit und Erprobung
  • Stärkung des Teamgefüges und des Zusammenwirkens
  • 4 Schienen: Sprache, Mathematik, Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften
  • professionelle Betreuung
  • Online-Begleitmaterial

Ziel ist es, dass die ausgebildeten Trainer, die die verschiedenen Fachbereiche der Unterrichtsfächer abdecken, das gesamte Kollegium fortbilden.

Als Start hierfür wurde im Februar 2020 ein pädagogischer Tag durchgeführt.

Die Fortbildungen werden dabei stets evaluiert. Schon früh konnte man im Kollegium eine breite Akzeptanz für den Prozess der Digitalisierung am ASG erkennen.

In einer Klasse der Stufe 6 und in zwei Kursen der Stufe 11 erhielten alle Schülerinnen und Schüler einen Laptop (1:1-Umgebung). Finanziert werden die Endgeräte über Sponsoring (Stufe 6) bzw. über einen Eigenkauf (Stufe 11). Unter starker Einbindung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern liefern entwickelte und durchgeführte Unterrichtsbausteine Erkenntnisse über die neue Lern- und Arbeitsform. Das Lernen findet in neuen Lernformen statt, welche ein selbstständiges, projektorientiertes, fächerverbindendes Arbeiten fördern. Das evaluierte Lernen unter Einsatz von digitalen Diagnosen und künstlicher Intelligenz steht im Fokus des nächsten Halbjahres.

Ausgewählte Elemente der Zusammenarbeit werden mit dem Ziel der Erleichterung und Effizienzsteigerung digitalisiert. Ziel ist es, Arbeitsvorgänge zu erleichtern und die Nutzung der digitalen Hilfsmittel zu erhöhen. Weitere Elemente sollen Schritt für Schritt folgen. Hierbei wird nach der Prämisse „Was nicht einfach geht, geht nicht!“ gehandelt. Außerdem setzten die verbindlichen digitalen Änderungen für alle Kolleginnen und Kollegen bei den organisatorischen Ebenen an, um die unterrichtliche Freiheit der Kolleginnen und Kollegen zu wahren und die Sicherheit im digitalen Umgang zu fördern.

Mithilfe von vier zentralen Leitlinien wurde die Zeit der Pandemie und die damit einhergehende Schulschließung aufgefangen.

a) Kein Kind zurück lassen

Als technische Minimalanforderung wurde das Smartphone vorausgesetzt, damit alle Schülerinnen und Schüler effizient am Homeschooling teilnehmen konnten. Dazu hat Frau Buche die Installation und Anwendung der verwendeten Tools in Erklärfilmen im Sinne eines Supports erläutert. Diese Filme wurden dann auf YouTube zur Verfügung gestellt.

b) Videokonferenzen als Unterricht gestalten

Der Unterricht wurde im Homeschooling über Videokonferenzen gehalten und sollte so aufgebaut sein, dass er die Phasen des herkömmlichen Unterrichts enthält (Erklärphase, Übungsphase, Sicherungsphase, …). Neben dem Videokonferenztool sollten digitale Notizbücher als Aufgabenzentrale für die Erarbeitung bzw. Verarbeitung verwendet werden. So wurde initiiert, dass die einzelnen Stunden in guter unterrichtlicher Qualität gehalten wurden. Auch kooperative Lernformen konnten so in natürlicher Weise durchgeführt werden.

c) Struktur

Jede Woche hatte eine feste Struktur. Am Anfang einer Woche wurden neue Inhalte erarbeitet, in der Mitte der Woche gab es Übungs- und Frageeinheiten und am Ende der Woche mussten die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse hochladen und erhielten von den Lehrkräften ein Feedback.

d) Dialog

Im Sinne einer prozessualen Optimierung gab es am Ende einer jeden Woche einen Dialog zwischen den Elternvertretern einer Lerngruppe und den Klassenleitungen, um die vorangegangene Woche zu evaluieren.

Diese Leitlinien haben insgesamt dazu geführt, dass trotz der vollständigen und später dann teilweisen Schulschließung ein hohes Maß an Zufriedenheit bei allen Beteiligten der Schulgemeinde herrschte.

Hier finden Sie einen Bericht von Schülerinnen der 9. Klasse, wie sie das Homeschooling erlebt haben.

Damit sich die Schule zeitgemäß entwickeln kann, bedarf es einer gemeinschaftlichen Vision, wie das Lernen und die Zusammenarbeit am ASG verstanden und gelebt werden soll.

Dazu wurde im Rahmen eines pädagogischen Tages eine Vision von den Lehrkräften erarbeitet.

Auch die Schülerschaft, vertreten durch die Schülervertretung, entwickelte ihre Vision von der Schule der Zukunft in einem mehrtägigen Workshop. Als Produkt entstand ein Hörspiel.

Die Vision der Eltern wird für Anfang des Jahres 2021 geplant.

Mit den drei Vorstellungen der Beteiligten wird dann eine gesamtschulische Vision entworfen, von der sich wiederrum Ziele für die Schulentwicklung ableiten lassen.