Pädagogik am ASG

    

  

„Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“ Immanuel Kant

Die Pädagogik beschäftigt sich mit der Theorie und Praxis der Erziehung. Sie umfasst dabei das erzieherische Handeln (einschließlich der geschichtlichen Grundlagen, Wertvorstellungen, Ziele, Techniken und des institutionell-organisatorischen Rahmens und der handelnden Personen) wie auch die Theorie der Erziehung (Erziehungswissenschaft). Hierdurch wird deutlich, dass es sich bei Pädagogik um eine praktische Wissenschaft handelt, in welcher praktisches Handeln und wissenschaftliche Theorien eng miteinander verbunden sind.

Am ASG wird Pädagogik in den Jahrgangsstufen EF, Q1 und Q2 unterrichtet. Ab der Jahrgangsstufe Q1 werden Grund- und Leistungskurse eingerichtet. Der Pädagogikunterricht am ASG verfolgt auf Grundlage des Vermittelns umfassenden Fachwissens und des Herstellens vielfältiger Kausalzusammenhänge das übergeordnete Ziel, die Lernenden zu verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen, welche im Sinne der Mündigkeit reflektiert handeln. Das Fach Pädagogik ist ein „Sonderfall“, da nicht nur der generelle Erziehungsauftrag der Schule verfolgt wird, sondern Erziehung zum Gegenstand persönlichen Erlebens gemacht wird.  

Der Kernlehrplan Erziehungswissenschaften NRW beschreibt die Aufgaben und Ziele des Faches folgendermaßen: „Die Inhalte und Themen tragen zur Entwicklung von Gestaltungskompetenz zur kritischen Reflexion geschlechter- und kulturstereotyper Zuordnungen, zur Werteerziehung, zur Empathie und Solidarität, zum Aufbau sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, auch für kommende Generationen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, und zur kulturellen Mitgestaltung bei. Darüber hinaus leisten sie einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung, zur interdisziplinären Verknüpfung von Kompetenzen, auch mit sprach- und naturwissenschaftlichen Feldern, sowie zur Vorbereitung auf Ausbildung, Studium, Arbeit und Beruf. 
Zentrale Aufgaben des Unterrichts im Fach Erziehungswissenschaft sind der Aufbau und die Förderung einer reflektierten pädagogischen Kompetenz. Gegenstand des Fachunterrichts sind Erziehungs- und Bildungsprozesse im engeren und weiteren Sinne. Diese werden im Fachunterricht in die pädagogische Perspektive gerückt und aus dieser betrachtet.“

In der Jahrgangsstufe EF werden im ersten Halbjahr zentrale Erziehungssituationen und Erziehungsprozesse behandelt. Hier geht es u.a. um das Individuum im Erziehungsprozess, die Aufgabe und Rolle des Erziehers sowie das Erziehungsverhalten und die Legitimation von Erziehungspraktiken. Hinsichtlich der Kompetenzen wird neben dem Erwerb von pädagogischem Grundwissen zur Beschreibung, Erklärung und Beurteilung erziehungswissenschaftlicher Phänomene u.a. Handlungskompetenzen erworben, durch simulierte oder reale Situationen (Rollenspiele, Filmanalyse, Debatten, Fallbeispielanalyse, usw.) 

Im zweiten Halbjahr verlagert sich der Schwerpunkt auf psychologische Grundlagen und neurobiologische Aspekte des Lernens, insbesondere die Lerntheorien Behaviorismus, Lernen am Modell und Lernen durch Einsicht. Des Weiteren wird das Lernen im pädagogischen Kontext konkretisiert, indem zuvor erarbeitete Kenntnisse auf weitere Themen übertragen werden. Als weiterer Schwerpunkt gilt das Thema „Inklusion“. 

In der Jahrgangsstufe Q1 liegt der Fokus auf dem Thema Entwicklung, Sozialisation und Entwicklung. Dabei wird vor allem zwischen Entwicklung im Kindesalter und Entwicklung im Jugendalter unterschieden. Im ersten Halbjahr der Q1 werden Grundkenntnisse frühkindlicher Entwicklung im kognitiven, soziologischen, psychoanalytischen und moralischen Bereich vermittelt. 

Besonders am Beispiel der Moralerziehung lässt sich die Nachhaltigkeit sozialer Projekte thematisieren, wie z.B. das ASG ist bunt, Schule der Vielfalt und Balu und Du. Im zweiten Halbjahr beschäftigt sich die Q1 mit den Anforderungen des Jugendalters bei der Entwicklung von Identität, zentral sind hierbei das Modell der produktiven Realtitätsverarbeitung von Klaus Hurrelmann und weitere Erklärungsansätze von Gewalt und Aggression. Diese theoretischen Grundfertigkeiten werden daraufhin auf die Themengebiete Gewalt und die Problematik sozialer Netzwerke (Cybermobbing) transferiert. Hierbei wird viel Wert auf die Erfahrungswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler gelegt.  

Im Fach Pädagogik bietet sich die Möglichkeit die erste Klausur im zweiten Halbjahr durch eine Facharbeit zu ersetzen. 

In der Jahrgangsstufe Q2 ist das Thema „Werte, Normen und Ziele von Erziehung und Bildung obligatorisch.“ Der Schwerpunkt verlagert sich nun von der individuellen Ebene auf eine historische und gesamtgesellschaftliche Ebene, auf der unterschiedliche Aspekte von Schule thematisiert werden. Zum einen wird die   Relevanz der Reformpädagogik im heutigen Bildungssystem, die Funktionen von Schule und die interkulturelle Erziehung und Bildung als Möglichkeit für den Umgang von kulturbedingten Konflikten thematisiert. Zum anderen wird im zweiten Halbjahr die Institutionalisierung von Erziehung, Einbindung in Institutionen am Beispiel von im Vorschuleinrichtungen, sowie die Vielfalt und Wandelbarkeit pädagogischer Berufsfelder behandelt. 

Außerschulische Lernorte und handlungsorientierter Unterricht sind wesentliche Bestandteile des Fachunterrichtes Pädagogik am ASG und dienen dem wichtigen Ziel der Überwindung des Dualismus von Denken und Handeln. Diese bereichern nicht nur das Schulleben, sondern machen Unterrichtsinhalte direkt erleb- und nachvollziehbar und bieten eine hervorragende Möglichkeit für ein Lernen vor Ort, welches nachhaltiger und wirksamer sein kann. 

Denn oberflächliche Handlungen führen alleine nicht zum Aufbau neuer Erkenntnisse, entscheidend ist vielmehr eine mit der Handlungsorientierung verbundene Verinnerlichung durch das sprachlich-gedankliche Durcharbeiten des Tuns. So finden Fahrten zur ehemaligen NS-Ordensburg in Vogelsang, Besuche in Montessori-Schulen oder auch Vorträge zum Thema Psychoanalyse regelmäßig statt. 

Neben diesen Exkursionen bietet das Fach Pädagogik am ASG für die Jahrgangsstufe Q1 einen Projektkurs mit dem Titel Balu und Du an. Balu und Du ist ein bundesweites Mentoringprogramm für Grundschulkinder im außerschulischen Bereich. Engagierte Schülerinnen und Schüler unserer Schule können ehrenamtlich ein Jahr lang eine individuelle Patenschaft für ein Grundschulkind übernehmen. Der folgende Erfahrungsbericht gibt dabei Auskunft über alle relevanten Fragestellungen zu diesem Projekt: 

Bericht über den Projektkurs „Balu und Du“  

Bei dem Namen „Balu und Du“ denkt doch eigentlich jeder an das Dschungelbuch, an Mogli den kleinen Menschenjungen und an Balu, den großen Bären. Man denkt an die fröhlichen Lieder, die dort gesungen wurden, an den Spaß und an das vertraute Verhältnis zwischen den beiden. Und genauso kann man sich unser letztes Schuljahr vorstellen…vielseitig, abenteuerlich, lustig und vertraut. Denn wir, die Balus, hatten jeder einen Mogli zugeteilt bekommen. Einen Mogli, der unsere Unterstützung gebraucht hat. Jede Familie war anders, es gab unterschiedliche Levels, unterschiedliche Probleme und unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie man mit einem Kind umzugehen hat. Aber auch jeder Mogli war anders und genau das hat es so spannend gemacht, denn wir trafen uns einmal wöchentlich mit Frau Eisemann, um über unsere Treffen zu sprechen. Wir konnten Probleme beheben, Ideen austauschen und über uns hinauswachsen. Denn sein wir mal ehrlich, wer wäre nicht noch mal gerne ein Kind? Wir konnten noch einmal Kind sein. Und genau das haben die Moglis auch gebraucht. Jemanden, bei dem sie Kind sein können. Unser Jahr mit den Moglis fing so an, dass keiner so richtig wusste, wie und wo er anfangen soll. Man musste erstmal ein gewisses Vertrauen zu seinem Mogli aufbauen, eine Basis auf der man arbeiten konnte. Jeder von uns musste seinen Mogli genau unter die Lupe nehmen. Wovor hat er/sie Angst? Ist er/ sie selbstbewusst? Was traut er/sie sich zu? Was erzählt er/sie mir und wie gehe ich damit um? Wir hatten die Aufgabe, unsere Moglis zu stärken und sie auf den richtigen Weg zu bringen. Unser Ziel war, dass sie Dinge, die sie von uns lernten einmal umsetzten würden. Dass sie später an unsere gemeinsame Zeit denken und sich fragen: „Was hätte mein Balu jetzt getan?“ Ja, wir waren Vorbilder. Wir waren und sind immer noch Freunde für unsere Moglis. Mit uns konnten sie all das machen, was ihre Familie ihnen vielleicht nicht ermöglichen kann. Und auch wir lernten viel dazu und sammelten viele Erfahrungen, denn irgendwie war es schön einen Schützling zu haben, der zu einem hinaufsieht. Natürlich war es auch oft anstrengend, aber das ist nun mal so, wenn man Zeit mit einem Kind verbringt, was zwischen sechs und neun Jahre alt ist. Aber die ganzen schönen Momente waren viel wertvoller. Das Lachen der Moglis, das Gefühl zu wissen, dass man etwas richtigmacht, dass man ein Vorbild ist und dass man tatsächlich etwas ändern und verbessern kann. Die Moglis haben uns jedes Mal mit offenen Armen empfangen und wollten uns gar nicht mehr gehen lassen, denn sie erlebten mit uns eine Menge. Vom Schleim herstellen, bis hin zum Schnitzen, Fußball spielen, basteln und Besuche im Getrudenhof. Auch wir als Kurs unternahmen so einiges. Schon am Kennenlern-Tag merkten wir, dass das nicht das letzte Treffen mit allen gewesen sein kann. Und genau aus diesem Grund fuhren wir ins Silly Billy, einen Indoor Spielplatz. Das war nicht ganz so leicht mit sieben Kindern, aber wir hatten alle unseren Spaß und konnten den Kontakt zwischen den einzelnen Moglis fördern. Recht am Ende besuchten wir gemeinsam den Kölner Zoo, was auch ein tolles Erlebnis war. Die Kinder blühten total auf und ihnen war die Dankbarkeit ins Gesicht geschrieben. Wir hoffen natürlich, dass der Kontakt zu den Moglis weiterhin bestehen bleibt und dass wir noch das ein oder andere Mal ein bisschen Kind mit unserem Mogli sein können.

Antonia Bannert