Im April 2026 jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal – ein Ereignis, das bis heute tiefgreifende Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Politik hat. Aus diesem Anlass findet am Albert-Schweitzer-Gymnasium eine besondere schulische Veranstaltung statt: Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten aus erster Hand über ihre Erlebnisse rund um die Nuklearkatastrophe von 1986.
Wie dem Veranstaltungsflyer zu entnehmen ist, werden die Zeitzeugengespräche am Dienstag, den 28. April 2026, mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 durchgeführt. Eingebettet ist die Veranstaltung in den Physikunterricht, sodass fachliche Inhalte mit persönlichen Erfahrungen verbunden werden können.
Im Mittelpunkt stehen Begegnungen mit Menschen, deren Lebenswege unmittelbar durch die Katastrophe geprägt wurden: Ein ehemaliger Liquidator berichtet von den gefährlichen Aufräumarbeiten am zerstörten Reaktor, eine Betroffene schildert die Folgen der Zwangsumsiedlung aus einem kontaminierten Gebiet, und eine Kinderärztin gibt Einblicke in jahrzehntelange medizinische Arbeit mit strahlenbelasteten Kindern. Diese persönlichen Perspektiven eröffnen einen Zugang zur Geschichte, der weit über die reine Wissensvermittlung hinausgeht.
Gerade im naturwissenschaftlichen Unterricht ist die Auseinandersetzung mit Tschernobyl von besonderer Bedeutung. Die Katastrophe macht deutlich, welche Chancen und Risiken mit der Nutzung von Kernenergie verbunden sind. Fragen der Strahlenwirkung, der Sicherheit technischer Systeme und der langfristigen Umweltfolgen werden hier nicht abstrakt behandelt, sondern anhand realer Schicksale greifbar. Gleichzeitig führt das Thema zu einer kritischen Reflexion politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Verantwortung.
Die direkte Begegnung mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, historische Ereignisse als Teil gelebter Realität zu begreifen. Sie können Fragen stellen, individuelle Lebensgeschichten kennenlernen und Zusammenhänge zwischen naturwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und ethischen Aspekten erkennen. Damit leistet die Veranstaltung einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und zur Förderung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit wissenschaftlichem Wissen.
Ein besonderer Dank gilt dem Verein Hilfe für Tschernobyl-geschädigte Kinder e.V., der diese Begegnung ermöglicht und organisiert. Mit großem Engagement bringt der Verein Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus der Ukraine und Belarus an Schulen und schafft so wertvolle Lerngelegenheiten, die nachhaltig wirken. Ebenso danken wir den beteiligten Expertinnen und Experten, die bereit sind, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen und sich den Fragen unserer Schülerinnen und Schüler zu stellen.
Wir freuen uns sehr, unseren Schülerinnen und Schülern diese eindrucksvolle Form des Lernens ermöglichen zu können – eine Begegnung, die zeigt: Tschernobyl ist nicht nur Vergangenheit, sondern bleibt eine Herausforderung für Gegenwart und Zukunft.

Weiterer Veranstaltungshinweis: Am Mittwoch, 29.April 2026 (Beginn 18:30 Uhr) findet im Kölner VHS-Forum im Museum am Neumarkt (Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln) eine Gesprächsrunde zum Thema mit den Experten statt. Sie tauschen sich in einer moderierten Talkrunde aus: Ersthelfer (sog. Liquidator) am Reaktor von Tschernobyl, Kinderärztin und ehemalige Leiterin einer Rehabilitationsklinik für von Tschernobyl, betroffene Kinder, Umsiedlerin und Witwe eines Ersthelfers, Zeitzeug*innen aus Osteuropa, die von den dramatischen Tagen nach der Explosion, vom Verlust ihrer Heimat, von der Unsichtbarkeit der Bedrohung – und davon, wie sehr Tschernobyl ihre Biografien bis heute prägt, berichten.
Hierzu sind alle herzlich eingeladen. Die Anmeldung zur Veranstaltung kann über den folgenden Link erfolgen. Eine Teilnahme ist jedoch auch ohne vorherige Anmeldung möglich.

